eXXcellent solutions auf dem Weg zur agilen Weiterbildung

19. Juli 2021 von Redaktion & Marketing

Auch im Bereich der Aus-, Fort- und Weiterbildung wirbelt Corona vieles durcheinander. Aber schon lange vor der Pandemie stand fest, dass wir als Münchner eXXcellent solutions eine Weiterbildung 4.0 und ein New Learning brauchen.

In unserem Doppelblog möchten wir berichten, wie wir in einer wunderbaren Zusammenarbeit mit den Kolleg:innen der QualityMinds angefangen haben, ein agiles Lern- und Weiterbildungssetting in unserem Unternehmen aufzubauen.

Die IT-Welt befindet sich im kontinuierlichen Wandel, deshalb ist es für uns sehr wichtig, dass sich Mitarbeiter:innen zielgerichtet weiterentwickeln können. Lernen, Fort- und Weiterbildung brauchen hierfür aber auch einen ganz neuen Ansatz.

 

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© wayhomestudio - freepik.com

 

Hier geben wir nun einen Einblick, wie agiles Lernen ganz praktisch aussehen kann. In unseren zwei Beiträgen unterhalten sich unsere Kollegen Stefan Becker und Alexander Jost mit den QualityMinds-Kolleg:innen Eva Dirr-Bubik und Dr. Manuel Illi darüber, wie man neue, agile Lehr-Lernsettings gestalten kann und was das überhaupt ist. Die beiden Unterhaltungen erscheinen parallel hier und im Blog der QualityMinds

Beide Unternehmen arbeiten schon seit längerem im Bereich von IT-Lösungen zusammen – als starkes Team unterstützen wir unsere Kunden rund um die Entwicklung und Qualitätssicherung von Software. In diesem Frühjahr nun begannen wir gemeinsam die Arbeit an der Neuauflage der internen Ausbildungsprogramme bei uns, von der wir hier berichten.

Das folgende Gespräch haben wir mit den Kolleg:innen von QualityMinds nach den gemeinsamen Workshops, zum Beginn der Umgestaltung unserer Microservice School, geführt. Bei unserer Microservice School handelt es sich um einen mehrteiligen Workshop, bei dem grundlegendes Architektur- und Methoden-Wissen zu Microservices anhand von Best-Practices aus unseren Projekten vermittelt wird.

 

Interview

Was ist eigentlich agiles Lernen?

 

Alex (eXXcellent solutions): Das agile Lernen ist euer Steckenpferd bei QualityMinds. Was steckt genau hinter diesem Konzept?

Eva (QualityMinds): Die Frage hören wir häufig. Anders als in klassischen Lernsettings wird im agilen Lernansatz der Lernende mit all seinen individuellen Bedarfen, Vorkenntnissen, Ressourcen und Stärken ins Zentrum gestellt. Das bedeutet, der Lernende erhält wichtige Freiheitsgrade bezüglich der folgenden Punkte:

  • was gelernt wird (Lernziele, Lerninhalte),
  • wie gelernt wird (Lernmethoden, Lerntechniken, Lernstrategien),
  • wann gelernt wird (Zeitpunkt, Dauer, Geschwindigkeit),
  • wo gelernt wird (Lernräume, online-offline) und
  • mit wem gelernt wird (Mitlernende, Expert:innen, Kolleg:innen).

Manuel (QualityMinds): Eine agile Lernumgebung ist somit auf die Individualität, die Bedarfe, die Stärken und auch zeitlichen Möglichkeiten der Lernenden ausgerichtet. Eigenverantwortlichkeit und Selbstorganisation sind wichtige Prinzipien. Die Motivation der Lernenden und die Relevanz des jeweiligen Themas stehen im Fokus und werden wie ein Hebel für das Lernen genutzt.

 

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Der Weg vom herkömmlichen zum agilen Lernen - © eXXcellent solutions

 

 

Vorteile und Chancen beim agilen Lernen

 

Stefan (eXXcellent solutions): Und welche Vorteile und Chancen seht ihr im agilen Lernen gegenüber klassischen Lernsettings?

Manuel (QualityMinds): Aus der Lerntheorie wissen wir, dass der Lernerfolg von verschiedenen Faktoren abhängt, wie dem Vorwissen oder auch der Motivation. Das sind Faktoren, die beim agilen Lernen besondere Beachtung finden.

Alex (eXXcellent solutions): Ein guter Punkt, das ist in traditionellen Lernumgebungen ja nicht immer der Fall.

Eva (QualityMinds): Ja, das sehen wir auch immer wieder. In klassischen Lehr-Lernsettings bekommen in der Regel alle Lernenden die gleichen Inhalte zur Verfügung gestellt – ganz egal welches Vorwissen sie haben, in welchem Kontext sie es benötigen und in welcher Form sie es später anwenden möchten. Deshalb wird neues Wissen häufig später in der Praxis nicht umgesetzt und viele Lernende sind mit den Angeboten nicht zufrieden, da sie nicht zu ihrem eigentlichen Lernbedarf passen. Zudem entstehen heutzutage – gerade im IT-Kontext – Lernbedarfe zunehmend kurzfristig und Lerninhalte müssen deshalb flexibel und schnell zur Verfügung stehen und der Lernprozess muss offen für Veränderungen sein. Genau darauf zielt das agile Lernen ab.

Stefan (eXXcellent solutions): Ihr setzt bei eurem agilen Lernansatz also sehr stark auf die individuellen Lernziele jedes einzelnen Mitarbeiters. Jetzt gibt es in jedem Unternehmen aber auch übergeordnete Ziele für das, was alle Mitarbeitenden – oder eine bestimmte Gruppe an Mitarbeitenden – lernen bzw. können sollten. Wie geht ihr damit um?

Manuel (QualityMinds): Ja, genau! Im Fokus des agilen Lernens steht das Individuum mit seinen eigenen Lernzielen. Wir differenzieren deshalb zwischen selbstbestimmten Lernzielen einerseits und Lehrzielen, bei denen das Ziel von außen kommt, wie beispielsweise bei eurer Microservice School, andererseits. Sowohl Lernziele als auch Lehrziele sind wichtig und haben beide ihre Berechtigung. Wichtig ist aber auch, bei Lehrzielen den Gedanken und die Grundprinzipien des agilen Lernens zu berücksichtigen.

 

Verknüpfung von individuellen Lernzielen und übergeordneten Lehrzielen

Alex (eXXcellent solutions): Und wie kommen nun individuelle Lernziele und übergeordnete Lehrziele zusammen?

Eva (QualityMinds): Ein gutes agiles Lehr-Lernsetting eröffnet die Möglichkeit, die individuellen “Lernziele” mit den organisationalen “Lehrzielen” in Einklang zu bringen – im konkreten Fall durch sogenannte “Lehrstorys”.

Lehrstorys funktionieren ähnlich wie Userstorys in der Softwareentwicklung und machen transparent, was und wozu gelernt werden soll und welche Ressourcen dafür im Unternehmen bestehen; z.B. Ansprechpartner, Materialien, Formate, Übungen etc. Gleichzeitig ermöglichen Lehrstorys, selbstorganisiert den Lernprozess zu gestalten, eigene Schwerpunkte zu setzen und bereits vorhandenes Vorwissen zu berücksichtigen. Dadurch können auch Lehrziele flexibler und bedarfsorientierter gestaltet werden.

 

Konkretisierung in Workshops

Alex (eXXcellent solutions): Und wie seid ihr dann mit Blick auf unsere Zusammenarbeit vorgegangen – konkret in der Vorbereitung der Workshops?

Manuel (QualityMinds): Für uns ist es bei der Arbeit mit Partnern und Kunden im Bereich von Lehr-Lernangeboten vor allem erst einmal wichtig, den Bedarf, die Vision und den Wunsch der Menschen zu verstehen, die an den Angeboten bislang beteiligt waren und es auch künftig sein werden.

Wir haben ja im Vorfeld mehrere intensive Gespräche darüber geführt, was ihr bereits an Ausbildungsangeboten und Erfahrungen habt, aber auch über eure Ziele für die künftige Ausbildung. Wichtig ist es hier, kurz gesagt, immer ein größtmögliches, gemeinsames Verständnis zu haben.

Stefan (eXXcellent solutions): Ja, uns war wichtig, das bestehende Wissen und die vorhandene Erfahrung unserer Kolleginnen und Kollegen künftig mehr zu nutzen und an die Lernenden weitergegeben zu können.

Alex (eXXcellent solutions): Teilnehmende sollten aber vor allem auch selbstorganisiert und kollaborativ lernen und ihre Lernzeiten flexibel einteilen können. Und nicht zuletzt sollte der Praxistransfer im Lernprozess auch weiterhin durch konkrete Übungen und Aufgaben sichergestellt werden.

Stefan (eXXcellent solutions): Wie seid ihr dann nach den ersten Abstimmungsgesprächen weiter vorgegangen?

Eva (QualityMinds): Unsere gemeinsame Idee war es ja, mit allen Kolleginnen und Kollegen von euch, die künftig die internen Ausbildungsangebote inhaltlich und organisatorisch begleiten werden, einen Kickoff-Workshop zu gestalten.

Wir von den QualityMinds wollten hier unsere Erfahrung und unser Know-how mit agilen Lehr-Lernsettings einbringen; gleichzeitig sollte der Kickoff-Workshop aber den Rahmen für euer Wissen, eure Expertise und eure Erfahrungen darstellen.

Wichtig war uns, dass wir nicht nur theoretisch fundierte Impulse mitbringen, sondern auch unmittelbar in praktische Übungen gehen können. Am Ende wollten wir euch dabei unterstützen, die ersten Schritten der konkreten Umsetzung zu planen und anzugehen – also die Neugestaltung eurer internen Ausbildungsangebote.

 

Erarbeitung einer zu eXXcellent solutions passenden agilen Lernmethode

Alex (eXXcellent solutions): Und welche Idee stand hinter dem Kickoff-Workshop? Eigentlich waren es ja zwei halbtägige Online-Workshops

Manuel (QualityMinds): Für die Umsetzung des Kickoff-Workshops haben wir einen Flipped-Classroom-Ansatz gewählt, was sich später mit Blick auf die dann eintretenden Corona-Schutzmaßnahmen im März/April 2020 als wirklich gute Entscheidung erwiesen hat.

Wir haben dafür kleinere und größere Lernmaterialien in unterschiedlichen Formaten erstellt. Beispielsweise waren das PDFs zum Thema “Lernzieldefinition”, Checklisten für die Erstellung von Lerneinheiten oder Podcasts zum zielführenden Einsatz unterschiedlicher Lernformate.

Uns war wichtig, dass im Vorfeld jede:r Teilnehmende sich das aneignen konnte, was sie oder er noch nicht wusste bzw. später brauchen würde. Und schon diese Vorbereitung macht für die Teilnehmenden erlebbar, wovon die Lernenden später profitieren sollten: eine zeitlich flexible, selbstgesteuerte Lern-Vorbereitung.

 

Vorgaben und Leitlinien des Online-Workshops

Stefan (eXXcellent solutions): Das war die Vorbereitung; und was waren Leitlinien für die Online-Workshops?

Manuel (QualityMinds): In dem ersten von zwei halbtägigen Online-Workshops haben wir dann gemeinsam die Inhalte diskutiert und vertieft. So konnten wir Fragen klären und gemeinsam euren Kontext und eure Bedarfe bei eXXcellent solutions in den Blick nehmen. Alle Teilnehmenden des Kickoff-Workshops haben dazu anhand konkreter Beispiele der Microservice-School den neuen Ansatz praktisch erprobt.

Eva (QualityMinds): Beispielsweise haben wir ja gleich erste Lehrstorys geclustert und exemplarisch ausformuliert. Am besten funktioniert das immer, wenn in einer Lehrstory klar definiert ist, was von fachlicher Seite betrachtet ein Lernerfolg ist und wie dieser sichtbar gemacht werden kann. Aus meiner Sicht hat hier die schon erwähnte Verschränkung von eurer Fachlichkeit und unserem Background im Instructional Design sehr gut funktioniert: Ihr hattet das “Was” im Blick und wir haben euch im “Wie” - also z.B. der Formulierung - der Lehrziele unterstützt.

Im zweiten Teil des Kickoff-Workshops wollten wir gemeinsam mit euch hauptsächlich Schritte für eine erste Erprobung der neuen Formate mit Pilot-Lernenden entwickeln. Hier haben wir aus unserer Erfahrung lediglich einen Anstoß gegeben – z.B. auf welche Aspekte wie Rollen und Zuständigkeiten man besonders achten sollte. Die konkrete Gestaltung – also z.B. wer welche Rolle mit welcher Verantwortung in welchem Zeitraum übernimmt - muss natürlich wie in eurem Fall immer von den Beteiligten selbst erfolgen.

Stefan & Alex (eXXcellent solutions): Ja, das hat sehr gut funktioniert und uns qualitativ deutlich weitergebracht. Lasst uns in ein paar Monaten für eine Rückschau treffen, wenn wir die School umgestaltet haben.

Eva & Manuel (QualityMinds): Sehr gerne! Wir sind gespannt, wie sich die Microservice School entwickelt.

 

Im zweiten Teil des Gesprächs unterhalten sich Alexander, Stefan, Eva und Manuel darüber, wie der Umbau der Microservice School konkret abgelaufen ist. Den Blogbeitrag findest du hier.

 

Über die Autoren

Eva Dirr-Bubik:

Blog-Eva-Dirr-Bubik

 

  Eva Dirr-Bubik ist agiler Lerncoach bei den QualityMinds. Dort begleitet sie intern ihre Kolleginnen und Kollegen individuell in ihrem Lernprozess. Sie studierte Pädagogik mit dem Fokus Lehren und Lernen sowie Psychologie und Kommunikationswissenschaft. Anschließend hat sie vielfältige Erfahrungen in der pädagogischen Praxis sowie in der (außer)universitären Forschung gesammelt.

Dr. Manuel Illi:

Blog-Manuel-Illi

 

  Dr. Manuel Illi ist agiler Lerncoach, Scrum Master und Berater im Bereich agiles Lernen und alternative Lernformen. Früher als Germanist und Kulturwissenschaftler tätig, ist er jetzt als Lerncoach in internationalen Projekten unterwegs. Er unterstützt sowohl Individuen als auch Teams bei den Herausforderungen, die modernes Lernen aufwerfen.

Alexander Jost:

Blog-Alex_Jost

 

  Alexander Jost ist Principal Software Architect, Portfoliomanager Business Applications, Research&Innovation Manager und Technologie Advisor bei der eXXcellent solutions in München. Seit über 20 Jahren ist er mit der Entwicklung von geschäftskritischen Softwarelösungen beschäftigt.

Stefan Becker:

Blog-Stefan-Becker

 

  Stefan Becker ist Managing Consultant und agiler Lerncoach bei der eXXcellent solutions in München. Seit 5 Jahren arbeitet er sowohl technisch, als auch fachlich an der Entwicklung individueller Softwarelösungen mit. Als Lerncoach begleitet er außerdem die Aus- und Weiterbildung von Mitarbeitern.

 

Haben Sie weitere Fragen zu unserer agilen Weiterbildung?

Schreiben Sie uns eine E-Mail. Wir freuen uns auf Ihre Kontaktaufnahme!

emailalexander.jost@exxcellent.de

emailstefan.becker@exxcellent.de

 

Teil unserer Weiterbildung ist auch der aktive Wissensaustausch in unseren eXXcellent solutions Gilden oder unseren Lightning Talks. Lesen Sie dazu:

bubble-chat-information-2-1 Lightning Talks - unser Talks zu Themen rund um unsere tägliche Arbeit

bubble-chat-information-2-1 Agile Softwareprojekte und Innovation: Gilden bei eXXcellent solutions

 

Und nicht nur unsere Weiterbildung ist agil:

bubble-chat-information-2-1 Produktdokumentationen - Sind sie in agilen Projekten überflüssig?

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Tags: Alle Blogbeiträge, Entwicklung & Methodik

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